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In Stuttgarts Zentrum, genauer in der Rosenstr.
31, fand ein Experiment der besonderen Art statt: zwischen November
2003 und April 2007 begegnete dort eine WUNDERKAMMER der besonderen
Art: Kein Kuriositätenkabinett, sondern ein verspiegelter Raum
auf denkbar kleinem Grundriss (knapp 13 qm).
In dieser Zeitspanne diente er in Folge mehr als
vierzig zeitgenössischen KünstlerInnen (s.u.) als reale
Bühne für die Auseinandersetzung mit der räumlichen
Wahrnehmung und mit der unverbrüchlich-kuriosen Neigung, sich
die Welt im Modell begreiflich machen zu wollen. Historische Vorbilder
dieser KunstRaum WUNDERKAMMER genannten Bühne bildeten die
historisch verbürgten Kunst- und Wunderkammern, die sich mit
ihren Sammlungen nach Erfindung der Zentralperspektive seit dem
15. Jahrhundert in Mitteleuropa etablierten: das waren Mikrokosmen,
die neben erstaunlichen Dingen wie Krokodilen an der Decke und geschnitzten
Kokosnüssen immer wieder das räumliche Sehen thematisieren;
u.a. in illusionistischen Wandmalereien, später dann dreidimensional
durch Modelle, theatrale Inszenierungen oder detaillierter in Perspektivkästen
und anderen optischen bzw. physikalischen Spielereien: Gleichsam
veranschaulichte Natur(gesetze) im künstlichen Kosmos !
Die WUNDERKAMMER in der Stuttgarter Rosenstraße hatte
insbesondere den Aspekt der räumlichen Verdichtung aufgegriffen,
als eine der wenigen vermittelbaren Konstanten einer ursprünglich
vorwissenschaftlich geprägten Weltsicht. Unter federführender
Leitung der Kunsthistorikerin Gabriele Beßler (Büro für
Kultur) wurden in wechselnden Präsentationen entweder Einzelwerke
leitmotivisch inszeniert oder nahmen vor allem KünstlerInnen
durch Installationen und Aktionen unmittelbar Bezug zur thematischen
Klammer und zur durch den Spiegel irritierenden Raumsituation.
Die WUNDERKAMMER präsentierte sich also abwechselnd mal
mit mobilen Objekten Modellen, optischen Geräten, Dioramen
und Bildern mal mit immobilen Raumerfassungen: Variationen
mikrokosmischer Illusionismen.
So mancher sicher geglaubte Standpunkt geriet immer aufs neue
ins Wanken: "Der Raum ist ein Zweifel: ich muß ihn unaufhörlich
abstecken, ihn bezeichnen; er gehört niemals mir, er wird mir
nie gegeben, ich muß ihn erobern".
(Georges Perec)
Übersicht der KünstlerInnen im KunstRaum WUNDERKAMMER:
Fabian Baur, Matthias
Beckmann, Alfred Banze
und Natalia Borasova, Natascha
Borowsky, Fabian Chyle
und Claudia
Senoner, Yvonne Dieterle, Daniela
Ehemann, Christoph Frick, Setsuko
Fukushima, Martina Geiger-Gerlach,
Valérie Graftieaux,
Thorsten Hallscheidt, Sebastian
Hannak, Dominik Handschuh, Gabriele
Horndasch, Jang-young Jung,
Kölner Kästchentreffen, Annette Krauss
und Lili Scholtes, Susanne
Kutter, Nikola Lutz,
Ira Marom, Boris
Nieslony, Alexander Rogl,
Lena Röth und Philip Mercier, Grazia
Sacchitelli, Peter Sauerer,
Eva Teppe, Eberhard
Weible, Ivo Weber,
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